Unsere Tipps für Sie

→ Welche Richtlinien müssen Sie beim altersgerechten Bauen beachten? Was genau heißt barrierefrei? »

→ Ist ein Umzug wirklich nötig? Machen Sie jetzt den Check: Ist Ihr Heim fit fürs Alter? »

→ Persönliche Beratung bei Fragen rund ums altersgerechte Bauen: Expertenrat beim Umbauen »

→ Individuelle barrierefreie Wohnlösungen von unserer Expertin - barrierefrei mit Stil »

→ Tipps für den Umzug im Alter. "Nicht zu spät mit dem Loslassen anfangen" »


Der Entschluss war gefasst, die geeignete Zwei-Zimmer-Wohnung fürs Alter endlich gefunden. Das Ehepaar Mechthilde und Bruno Wanner fühlt sich aus seinen Zukunftsvisionen gerissen. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Das Haus mit Speicher und Werkstatt soll leer geräumt werden. Der Termin des Umzugs rückt näher, Unsicherheit und Überforderung machen sich breit. Was soll mit in das neue Zuhause, wo anfangen mit dem Aussortieren, und was geschieht mit den Dingen, die einen ein halbes Leben lang begleitet haben?

 

Lieblingsstücke mitnehmen

Susanne Wanner-Scheuch hat diese Situation bei ihren eigenen Eltern erlebt. Vor Jahren zogen sie von ihrem Haus in eine kleine Wohnung. Die 52-Jährige mit dem gewinnenden Lächeln sieht die Lage der Umzugswilligen ganz realistisch: „So eine Trennung von der alten Umgebung oft nach dreißig, vierzig Jahren in derselben Wohnung, das tut schon weh, das ist schmerzlich.“ Das übliche Hauruck-Verfahren, Ausmisten unter Zeitdruck, Warten auf gepackten Koffern und die Ankunft mit dem Möbelwagen in einer Wohnung voller Kisten. So etwas wollte sie ihren Eltern ersparen.

Und so entwickelte die Unternehmensgründerin von „Sedes“, dem Umzugsservice für Senioren, ihr ganz eigenes Konzept. Ihre Prämissen: Ein sorgsamer Umgang mit den Dingen und ein sanfter Übergang zum neuen Wohnsitz. Und wichtig für die Planung der neuen Räume: die bisherigen Lieblingsstücke. Die bestehenden Möbel kombiniert Susanne Wanner-Scheuch mit einer neuen Farbe oder modernen Einzelstücken – als Zeichen für den Neuanfang. Am Tag der Ankunft ist die neue Wohnung dann bereits komplett eingerichtet – ein Strauß Blumen auf dem Tisch inklusive.

 

Vertrauen ist wichtig

Trotzdem aber ist ein Umzug gerade für ältere Menschen ein wahrer Kraftakt. Das Aussortieren von Dingen, an denen ganze Familiengeschichten hängen, hat etwas von Verlust. Denn mit ins neue Zuhause kann nicht sehr viel: ein Bett, ein Tisch und ein paar Stühle, ein Schrank, vielleicht ein Sekretär. Vom Rest muss man sich trennen. Die Sachen einfach wegwerfen? Susanne Wanner-Scheuch schüttelt energisch den Kopf. Lieber sucht sie für Tisch und Co. eine neue Bleibe bei Familienmitgliedern. Irgendwann lässt sich schon heraushören, dass die Tochter des Hauses vor Jahren einmal ein Auge auf das große Ledersofa geworfen hat. Indem sie genau zuhört findet sie heraus, welche Gegenstände dem Kunden wirklich wichtig sind. Und wenn ein Kunde seine Kommodenschubladen nicht gleich beim ersten Gespräch öffnet, heißt es geduldig bleiben.

 

Umziehen in kleinen Schritten

Wachsen die Stapel beim gemeinsamen Sortieren des Hausstands dann in die Höhe, macht die Umzugsorganisatorin noch eine Ecke auf für das Auktionshaus und die Caritas. So bekommen die meisten Dinge ein neues Leben anderswo. Die Kunden können auf diesem Weg die positiven Seiten des Weggebens viel eher genießen: weniger Ballast, mehr Freiraum und mehr Struktur im Leben.

Auch beim Transport der Dinge geht Susanne Wanner-Scheuch behutsam vor. Stück für Stück packen die drei mit Schürzen bekleideten Damen von „Sedes“ die Kisten. In mehreren Fuhren gehen diese an ihre neuen Bestimmungsorte. Die alte Wohnung wird immer leerer, bis alles in der neuen Wohnung eingeräumt ist. Ein Übersiedeln auf Raten, nie sitzen die Kunden auf dem Trockenen.

 

Zufrieden im neuen Zuhause

Wer an dieser Stelle meint, so einen entspannten Umzug kann es gar nicht geben, der hat Recht. Denn zumindest für Susanne Wanner-Scheuch ist Umziehen eine logistische Herausforderung: einpacken, auspacken und der Transport von Gütern von A nach B. Genau das war bisher ihr Metier. Seit Jahren wirkt sie mit an Umzügen von Museumsdepots, und als Bühnenbildnerin an der Bayerischen Staatsoper war Aufbauen und Abbauen ihr täglich Brot. Dort hat sie auch gelernt, in einem engen Zeitplan zu jonglieren und zugleich niemanden spüren zu lassen, wie groß die Zeitnot ist. Während die Vorstellung vorne läuft, zieht sie im Hintergrund die Fäden.

So auch bei Sedes. Während der ersten Wohnungsbegehung erfasst sie oft mit einem Blick, was dort aussortiert werden muss, im Gespräch über die Lieblingsstücke sieht sie diese schon vor ihrem inneren Auge in den neuen Räumen arrangiert. Geistig dem Geschehen stets einen Schritt voraus, kann sie unangenehme Situationen für die Kunden abfedern. „Manchmal hilft schon ein Stück Kuchen zur Aufmunterung“, schmunzelt sie.

Um die Liebe zu dieser besonderen Klientel weiß Susanne Wanner-Scheuch seit ihrer Tätigkeit in einem Seniorenstift. Alte Menschen haben es ihr angetan. Älter werden ist in ihren Augen keine Schreckensvision, sondern ein Lebensabschnitt, auf den man sich vorbereiten kann – Freundschaften pflegen, flexibel bleiben und sich eine Aufgabe suchen. Früh genug. So hält sie es auch für sich selbst. In der Unternehmensgründung um die Fünfzig sieht die Geschäftsfrau und Mutter von Zwillingen den ersten Schritt in ihr Leben nach der Kinderphase. Dass das Lehrgeld kostet, damit rechnet sie. Der Beratungsaufwand für die Kunden ist vorab schwierig abzuschätzen, und ihre Umzugslösungen sind so individuell wie die Menschen selbst. Ihr Unternehmensziel? Es anderen Menschen im wahrsten Sinn des Wortes so gut einzurichten, dass sie schließlich glücklich in ihrem neuen Zuhause sitzen und bereit sind für einen Neuanfang. Ein hochgestecktes Ziel zwar, aber Susanne Wanner-Scheuch nimmt man das ab.

Christiane Hirsch


Ihre Frage an Susanne Wanner-Scheuch »