Vorsorgevollmacht

Wer soll sich kümmern? Warum die Vorsorgevollmacht wichtig ist

Sie sind glücklich verheiratet und überzeugt, Ihre Frau oder Ihr Mann werde sich schon um alles kümmern, wenn Sie selbst einmal – durch Krankheit, Unfall oder Alter – nicht dazu  in der Lage sein sollten? Weit gefehlt.

Auch ein Ehepartner hat nicht automatisch die Befugnis, die Belange des anderen zu regeln oder über den gemeinsamen Besitz zu verfügen. Dazu benötigt er eine Vorsorgevollmacht.

So wollte eine Frau, als ihr Mann nach einem Schlaganfall schwerstbehindert blieb, das gemeinsame Haus verkaufen, um die Pflege bezahlen zu können. Da sie aber nicht mit im Grundbuch stand, durfte sie dies nicht, und ein Gericht setzte einen Betreuer ein. Der Konstanzer Rechtsanwalt Elmar Uricher, ein renommierter Experte für Erbrecht, kennt diesen und noch viele ähnliche Fälle. Er rät daher dringend auch Ehepaaren, rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht aufsetzen zu lassen. „Gerade wenn es um Vermögensverfügungen geht“, sagt Uricher, „darf nichts als selbstverständlich angenommen werden.“

Selbst mit einer handschriftlichen Vollmacht könne es Schwierigkeiten geben, warnt der Jurist:  „Die Beglaubigung durch einen Notar kostet bei einem Vermögenswert zwischen 50.000 und 100.000 Euro nicht mehr als 60 bis 100 Euro. Das sollte man sich wirklich leisten können und zwar möglichst in jungen Jahren.“

Wenn vereinbart, gilt die Vorsorgevollmacht auch über den Tod hinaus, so dass die Angehörigen nicht die Erteilung des Erbscheins abwarten müssen,
um den Nachlass zu regeln. Hinterlegt wird sie im zentralen Vorsorgeregister, wo sie jederzeit aufgefunden werden kann. Sie kann auch widerrufen werden.

Besonders bei Patchworkfamilien  kann eine Vorsorgevollmacht auch zur Absicherung des neuen Partners wichtig werden, wie ein anderes Beispiel aus der Beratungspraxis des Rechtsanwalts zeigt. Als ein wohlhabender, in zweiter Ehe verheirateter Geschäftsmann nach einem Unfall ins Dauerkoma fiel, ließ sich der Sohn aus erster Ehe gerichtlich die Betreuung übertragen und setzte die ungeliebte Stiefmutter vor die Tür.

Absolut unverzichtbar ist eine Betreuungsverfügung für alleinstehende Menschen. „Es gibt so viel Missbrauch bei der Betreuung alter und dementer Menschen, das ist unglaublich“, weiß Uricher. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig eine Person des Vertrauens zu finden, die jung genug, willens und kompetent ist, im Notfall wichtige Entscheidungen zu treffen. Notfalls sei es besser die Betreuung einer karitativen Stiftung zu überlassen.

Um Missbrauch vorzubeugen, sollte die Verfügung möglichst individuell und der Lebenssituation entsprechend aufgesetzt werden. So können etwa bestimmte Geschäftsbereiche getrennt behandelt oder eine Deckelung vereinbart werden.           cm

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