Patientenverfügung - ©istock PeJo29

Ist eine Patientenverfügung sinnvoll?

Niemand ist verpflichtet, eine Patientenverfügung abzufassen. Wer sich dafür entscheidet, kann spätere ärztliche Behandlungen beeinflussen und damit sein Selbstbestimmungsrecht wahren – auch wenn er zum Zeitpunkt der Behandlung nicht mehr ansprechbar ist. Doch dieser Schritt will gut überlegt sein.


In einer Patientenverfügung legen volljährige Personen für den Fall ihrer Ent­scheidungsunfähigkeit schriftlich fest, ob und wie sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten. Sie erklären, ob sie in Untersuchungen ihres Gesundheitszustands, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe, die in der Zukunft notwendig werden könnten, einwilligen oder diese untersagen. 

Das Dokument kann auch um Bitten oder Richtlinien ergänzt werden. Des Weiteren ist es sinnvoll, persönliche Wertvorstellungen, Einstellungen zum eigenen Leben und Sterben sowie religiöse Anschauungen als Ergänzung und Auslegungshilfe der Patientenverfügung zu schildern. Die Patientenverfügung richtet sich in erster Linie an den Arzt sowie das Behandlungsteam, aber auch an bevollmächtigte oder gesetzliche Vertreter.

Pro und Contra der Patientenverfügung

Bevor man sich für oder gegen eine Patientenverfügung entscheidet, sollte man sich in Ruhe über folgende Punkte Gedanken machen:

  • Was ist mir im Zusam­menhang mit Krankheit, Leiden und Tod wichtig?
  • Wovor habe ich Angst, was erhoffe ich mir? Manche Menschen befürchten, dass vielleicht nicht mehr alles medizinisch Mögliche für sie getan werden könnte, wenn sie alt oder schwer krank sind. Andere haben Angst, dass man sie in hoffnungslosen Situationen künstlich am Leben erhält.
  • Festlegungen in einer Patientenverfügung bedeuten auch, dass man die Verantwortung für die Folgen übernimmt, wenn ein Arzt den Anordnungen entspricht. In bestimmten Grenzsituationen des Lebens ist es jedoch kaum möglich, Voraussagen über das Ergebnis medizinischer Maßnahmen und mögliche Folgeschäden im Einzelfall zu machen. Das heißt, durch einen Behandlungsverzicht verzichtet man unter Umständen auf ein Weiterleben bzw. nimmt für eine Chance, weiterzuleben möglicher­weise Abhängigkeit und Fremdbestimmung in Kauf.
  • Niemand ist verpflichtet, eine Patientenverfügung abzufassen. Laut Gesetz ist eine Patientenverfügung zum Beispiel nicht Bedingung für einen Vertragsschluss (wie den Abschluss eines Versicherungs- oder Heimvertrages etc.).

Form der Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung muss schriftlich abgefasst und eigen­händig unterschrieben bzw. vom Notar beglaubigt sein. Keiner ist aber an seine schriftliche Patientenverfügung für immer gebunden; sie kann jederzeit formlos widerrufen werden.

Doch auch mündliche Äußerungen müssen bei der Feststellung des mutmaßlichen Patientenwillens von der Vertreterin oder dem Vertreter beachtet werden.

Es empfiehlt sich, eine Patienten­verfügung von Zeit zu Zeit zu erneuern oder zu bestätigen. So kann man regelmäßig überprüfen, ob die einmal getroffenen Festlegungen noch gelten bzw. konkreti­siert oder abgeändert werden müssen.

Wo wird die Patientenverfügung hinterlegt?

Eine Patientenverfügung sollte so verwahrt werden, dass besonders Mediziner, Bevollmächtigte oder Betreuer, aber gege­benenfalls auch das Betreuungsgericht schnell und unkompliziert erfahren, dass es eine Verfügung gibt und wo sie liegt.

Es ist sinnvoll, einen Hinweis bei sich zu tragen und bei der Aufnahme in ein Kranken­haus oder Pflegeheim auf die Patientenverfügung hinzuweisen bzw. vorher auch bevollmächtigte Vertrauenspersonen darüber zu informieren.

Muss eine Patientenverfügung beachtet werden?

Festle­gungen für bestimmte ärztliche Maßnahmen sind verbindlich, wenn mit deren Hilfe der Wille für eine konkrete Lebens- und Behandlungssituation eindeutig und sicher festgestellt werden kann.

Die Ärzte müssen eine derart verbindliche Patientenverfügung beachten, auch wenn keine Vertreter bestellt wurden. Die Missachtung des Patientenwil­lens kann als Körperverletzung strafbar sein.

Ein bestellter Vertreter ist verpflichtet, die Patientenverfügung zu prüfen, den Behandlungswillen fest­zustellen und ihm Ausdruck und Geltung zu verschaffen. Vertreter dürfen nicht ihren Willen an die Stelle des Patientenwillens setzen. 

Quelle: Bundesministerium der Justiz

Mehr Infos:

Patientenverfügung (Ärztekammer Hamburg) »
Broschüre Patientenverfügung (Bundesministerium der Justiz) »

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