Wertanlagen in Krisenzeiten

Wertanlagen in Krisenzeiten

Aktien abstoßen oder halten? Und welche Wertanlagen sind in Krisenzeiten überhaupt sicher? Diese Fragen beschäftigen derzeit viele Menschen, die Geld für ihre Altersvorsorge angelegt haben. Die unabhängige Münchner Finanzberaterin Helma Sick mahnt zur Besonnenheit.

Was raten Sie? Soll man seine Aktien derzeit abstoßen oder halten?

Ich würde als Privatanlegerin keinesfalls in einem Börsentief gute Aktien verkaufen. Sie realisieren damit ja Verluste, die sonst nur auf dem Papier stehen. Und was machen Sie mit dem Geld? Untersuchungen zeigen, dass Anleger, die in Krisen alles verkaufen und auf Tagesgeld legen, meist den Einstieg verpassen, wenn es wieder aufwärts geht. Dann liegt das Geld schlecht verzinst auf einem Sparkonto, während die Börsenkurse steigen!


Was halten Sie überhaupt von Aktienanlagen?

Für die Altersvorsorge wäre es völlig verfehlt, überwiegend auf Aktien zu setzen. Wenn Sie von dem Geld leben wollen, müssen sichere Anlagen den Vorrang haben. Ich wage zu behaupten, dass derzeit nur die Wenigsten wirklich durchblicken, was an den Börsen abgeht. Wer gerne zockt und viel Geld und Zeit hat, der möge mit Aktien spekulieren. Für mich fällt das in die Kategorie ‚Hobby‘.


Was empfehlen Sie denn in diesen Zeiten?

Zu allen Zeiten, und besonders in Krisenzeiten, empfehlen alle seriösen Fachleute, das Vermögen breit gestreut anzulegen. Mit breit gestreut meine ich eine gut überlegte Anlage mit System. Dabei werden verschiedene Geldanlagen kombiniert, die unterschiedliche Ziele verfolgen und unterschiedliche Risiken aufweisen und deren Renditen sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Wenn Ihr Vermögen so aufgestellt ist, dann kann es auch in Krisenzeiten unverändert bleiben. Zu einer breit gestreuten Anlage gehören etwa erstklassige Fonds, eine private Rentenversicherung, eventuell auch ein oder zwei geschlossene Fonds. Aber das können natürlich nur allgemeine Empfehlungen sein.


Aber Rentenversicherungen bringen doch so wenig?

So sehe ich das nicht. Rentenversicherungen gehören zu den sichersten Anlagen, die es in Deutschland gibt. Sicherheit bringt immer weniger Rendite als Risiko. Aber eine Rentenversicherung bringt eine lebenslange Rente, die kaum besteuert wird – das ist ein großer Vorteil.


Und was soll man mit Kapital-Lebensversicherungen machen?

Wer eine vor 2005 abgeschlossen hat, soll sie unbedingt behalten. Denn die Auszahlung aus diesen älteren Lebensversicherungen ist noch völlig steuerfrei! Seit 2005 gibt es das gar nicht mehr. Eine neue Kapital-Lebensversicherung abzuschließen, rate ich ab.


Und warum Aktienfonds und nicht Einzelaktien?

Weil Sie bei Einzelaktien nur mit ganz großen Summen eine gute Streuung erreichen. Es gibt Vermögensverwaltungen, die bis zu einer Anlagesumme von 500 000 Euro nur in Fonds anlegen. Ein großer Aktienfonds kann 100 bis 200 Aktien enthalten, aus vielen Ländern und verschiedenen Branchen. Das kriegen Sie alleine nicht hin.


Sie empfehlen oft vermögensverwaltende Mischfonds. Was ist denn das?

Diese Fonds bieten eine Vermögensverwaltung für alle, die eine pflegeleichte Anlage ohne hohes Risiko suchen. Sie können in unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien, Rentenpapiere, Rohstoffe, Immobilien, Edelmetalle, ja sogar in Wald und in andere Investmentfonds investieren und das in unterschiedlicher Gewichtung. Das hat sich bewährt. Der Clou ist, dass ein Fondsmanagement sich in Krisenzeiten z.B. ganz von Aktien verabschieden kann. Die Aktienquote ist dann eben über eine bestimmte Zeit bei Null. Haben sich die Börsen beruhigt, werden wieder Aktien zugekauft. Herbe Verluste in Krisenzeiten können dadurch effektiv gemindert werden.


Gold empfehlen Sie nicht?

Auf keinen Fall! Dafür ist es jetzt zu spät, der Goldpreis ist viel zu teuer. Viele Experten sehen schon Anzeichen für eine Blase, die irgendwann platzen wird. Generell heißt es, fünf Prozent des Vermögens in Gold anzulegen sei in Ordnung. Aber nicht jetzt! Ich würde grundsätzlich nichts empfehlen, was durch allgemeine Panik im Preis hochgetrieben wurde. Das gilt auch, wenn die Preise umgekehrt durch einen Boom überteuert sind.


Also Finger weg von Immobilien in München?

Die eigene Immobilie gilt ja als sichere Investition für das Alter. Aber das funktioniert nur, wenn der Preis stimmt. Das 20-fache der Jahreskaltmiete wäre annehmbar. Aber in München geht diese Rechnung meist nicht mehr auf. Und wenn Sie kaufen, dann sollte Ihnen bewusst sein,  dass Sie diesen Preis bei einem Verkauf womöglich nicht mehr erzielen werden.                   

CAROLINE MASCHER

Copyright Fotos: Eduardo Leite - iStockphoto