Beste Zeit für den Vorsorgecheck

Spätestens mit 55 Jahren sollten Sie einen persönlichen Kassensturz machen. Die unabhängige Finanzberaterin und bekannte BRIGITTE-Kolumnistin Helma Sick sagt, mit welcher Strategie Sie jetzt noch Versorgungslücken füllen können.

Lohnt es sich ab 55 noch, in die Altersvorsorge zu investieren?
Es gibt so viele Menschen, die es bis dahin nicht geschafft haben, ausreichend für ihr Alter vorzusorgen. Für die darf die Frage nicht lauten: „Lohnt es sich, sondern muss ich noch etwas investieren?“  55 ist ein ideales Alter, um einen Vorsorgecheck zu machen: Was habe ich an gesetzlicher Rente oder privaten Geldanlagen? Und was brauche ich im Ruhestand? Die Einschätzung ist in diesem Lebensalter realistischer. Und man hat gleichzeitig noch ausreichend Zeit, eventuelle Lücken zu schließen.  

Und was braucht man im Schnitt?
Im Ruhestand sollte man mindestens 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung haben. Viele unterschätzen erstens den Stand ihrer Vorsorge und zweitens den künftigen Bedarf. Kürzlich hatte ich eine Kundin, die mir versicherte, sie habe super vorgesorgt, und gleichzeitig erzählte sie mir, sie wolle nach der Rente lange Fernreisen unternehmen. Wir haben dann beim Nachrechnen festgestellt, dass sie – wenn alles beim Alten bliebe – im Rentenalter 900 Euro Netto weniger im Monat zur Verfügung haben wird als momentan. 900 Euro weniger! An große Reisen ist da nicht zu denken.

Welche Möglichkeiten gibt es, so kurz vor der Rente noch nachzubessern?
Die klassische Basismöglichkeit ist die private Rentenversicherung. In die können Sie monatlich einzahlen oder aber einmalig eine größere Summe investieren.

Bei beiden Varianten gilt der Grundsatz: Wenn nicht mehr viel Zeit bis zum Rentenbeginn bleibt, muss mehr investiert werden. 50 Euro jeden Monat anzusparen reicht mit Ende 50 leider nicht mehr. Damit kann gerade mal ein kleines Polster als eiserne Reserve aufgefüllt werden.

Private Rentenversicherung ohne Ansparen –  wie funktioniert das?
Bei vielen steht ja in dieser Lebensphase die Auszahlung von Sparplänen oder Lebensversicherungen an. Diese Gelder kann man mit einer Einmalzahlung in eine  private Rentenversicherung investieren. Das Geld wird verzinst angelegt. Zum vereinbarten Zeitpunkt fließt dann die monatliche Rente. Die wird im übrigen lebenslang gezahlt und nur minimal versteuert.

Gibt es monatliche Zahlungen auch mit Fonds?
Sie können das Geld auch gut gestreut, das heißt auf mehrere Fonds verteilt, anlegen. Eine gute Streuung ist wichtig, sie erhöht Ihre Chancen und vermindert Risiken. Auch bei diesem Modell können Sie über einen Auszahlungsplan regelmäßige monatliche Zahlungen vereinbaren. Wenn die angelegte Summe groß ist, entnehmen Sie entweder nur die Erträge oder Sie verbrauchen langsam das Kapital. Der Vorteil von Fonds: Sie sind flexibel und Sie können jederzeit an Ihr Geld. Der Nachteil: Das Geld reicht unter Umständen nicht fürs hohe Alter, denn bei Fonds gibt es keine lebenslange Zahlung.

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