Gilt heute noch die Regel: Wenn ich für den Schaden selbst aufkommen kann, brauche ich keine Versicherung?
Ja! Eine Versicherung benötigen Sie dann, wenn der Schadensfall existenzbedrohend wäre. Ein Beispiel: Sich gegen Glasschaden zu versichern ist meist überflüssig. Denn im Schadensfall kann das zwar teuer werden, aber wenn Sie viele Jahre Beiträge zahlen, kommt da auch ein höherer Betrag zusammen. Eine Privathaftpflicht hingegen ist ein absolutes Muss. Denn die springt ein, wenn Sie anderen Schaden zufügen. Bei einem Unfall etwa, in den Personen involviert sind, können Schadensforderungen schnell in die Millionen gehen.

Welche Versicherungen sind absolut notwendig?
Eine Haftpflichtversicherung (immer), eine Berufsunfähigkeitsversicherung (am besten zu Beginn der Berufstätigkeit abschließen), eine Pflegezusatzversicherung (auf jeden Fall ab Mitte 40 abschließen). Und nach Bedarf Zusatzversicherungen zur Krankenversicherung. Bei allen Risikoversicherungen gilt: Je früher sie abgeschlossen werden, desto günstiger die Tarife.

Eine Haftpflicht ist also wichtig. Worauf muss ich achten?
Dass die Schadenssumme nicht zu gering ist. Sonst ist im Ernstfall von der Versicherung nicht viel zu erwarten. Achten Sie darauf, dass die Versicherungssumme mindestens bei fünf Millionen Euro liegt. Zehn Millionen sind besser.

Was bringt mir eine Berufsunfähigkeitsversicherung, ich bin doch durch den Arbeitgeber versichert?
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist nicht ausreichend, auch wenn das viele denken. Denn die zahlt nur, wenn man gar nicht mehr arbeiten kann. Falls Sie einen Unfall oder eine schwere Krankheit haben, zahlt Ihre Krankenversicherung nur ein paar Wochen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn jemand im zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Für manche Berufsgruppen ist es schwierig, diese Versicherung zu bekommen. Oder sie ist sehr teuer. Eine Alternative kann dann eine Dread-Disease-Versicherung sein. Die zahlt bei einer schweren Erkrankung eine einmalige Summe. Der Nachteil: Mit dem Schadensfall endet die Versicherung. Und Sie werden nirgends die Chance bekommen, eine neue Versicherung abzuschließen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung endet erst, wenn die vertraglich vereinbarte Laufzeit beendet ist. Sinnvoll ist es, eine Berufsunfähigkeitsversicherung am Beginn der Berufstätigkeit abzuschließen, denn dann gibt es noch günstige Einsteigertarife. Und gesundheitliche Einschränkungen, die in späteren Lebensjahren den Abschluss erschweren, sind meist noch nicht vorhanden.

Und wann brauche ich eine Hausratversicherung?
Die ist dann sinnvoll, wenn Sie eine hochwertige Wohnungseinrichtung haben und/oder Gegenstände von großem Wert besitzen, wie Antiquitäten, eine teure Fotoausrüstung oder Gemälde. Sind Sie Immobilieneigentümer, sollten sie eine Wohngebäudeversicherung haben. Mit der versichern Sie im Unterschied zur Hausrat nicht den Inhalt, sondern das Gebäude selbst gegen Beschädigung oder Zerstörung, zum Beispiel durch Sturm, Hagel, Leitungswasser, Feuer.

Ich gehe bald in den Ruhestand, ändert sich dann etwas bei meinen Versicherungen?
Der Renteneintritt ist eine gute Zeit, um zu prüfen, welche Versicherungen Sie wirklich (noch) brauchen. Zum Beispiel die Hausratversicherung: Wenn Sie Wertgegenstände vererben oder verkaufen, etwa weil ein Umzug in eine kleinere Wohnung ansteht, sollten Sie das dem Versicherer mitteilen. Er berechnet dann den Beitrag neu. Manche Versicherungsgesellschaften bieten auch Sondertarife für Senioren an. Sind Sie in einem Ehrenamt tätig? Dann sollten Sie prüfen, ob die Organisation, für die Sie tätig sind, Sie auch gegen Schadenersatzansprüche versichert hat. Wenn Sie häufig verreisen, garantiert eine Auslandskrankenversicherung die komplette Übernahme der Krankenkosten im Urlaub und den Rücktransport. Wer eine Unfallversicherung zu guten Konditionen hat, die unbegrenzt läuft, sollte sie behalten. Und für die Kfz-Versicherung gilt: Waren Sie Berufspendler, sollten Sie bei Renteneintritt Ihre Versicherung nach einem günstigeren Tarif fragen. Viele Versicherungen senken den Beitrag um bis zu zehn Prozent, wenn Sie weniger fahren. Auch wenn nur noch ein Ehepartner mit dem Wagen fährt, sollten Sie das der Versicherung mitteilen. Denn auch das senkt die Kosten.

Ich möchte meine Enkel unterstützen. Empfehlen Sie eine Ausbildungsversicherung?
Nein, das ist nicht mehr sinnvoll. Am besten, Sie legen Geld in einem Fondssparplan an, davon profitieren Ihre Enkel auf jeden Fall. Fondssparpläne sind nicht an Laufzeiten gebunden, auch die Einzahlungen können flexibel geregelt werden. Sie können jederzeit erhöht, reduziert oder auch ganz beendet werden.

Das Interview führte Barbara Webinger

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